Usability-Gedanken zu Wizards im Webdesign

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Mehrseitige Formulare (auch unter der Bezeichnung »Wizard« bekannt) sind eine gute Möglichkeit, strukturiert und übersichtlich Informationen vom Benutzer abzufragen. Dazu wird das gesamte Formular in kleine, gut zu verdauende Häppchen aufgeteilt und immer nur einzelne Teile dem Nutzer angezeigt. Dadurch können auch Teile mit Informationen aus vorherigen Schritten interagieren und dementsprechend andere Informationen oder Eingabefelder angezeigt werden. Wizard-Formulare eigenen sich daher besonders gut für umfangreiche und komplexe Eingabeprozesse.

Screenshot eines Wizards

Bei all den Vorteilen haben diese Formulare aber auch einen gravierenden Nachteil bei der Benutzererfahrung und Benutzbarkeit. Da der Nutzer immer nur einen Teil und nicht das gesamte Formular sieht, kann er die genaue Dauer und Umfang der Eingaben nicht überschauen. Er weiß vorher praktisch nicht was von ihm (noch) verlangt wird.

Stellen wir uns einen Registrierungsprozess für einen Webdienst vor: Der Nutzer fängt beim ersten Schritt an und sucht sich einen Benutzername und ein Passwort aus, im zweiten Schritt sind seine Interessen gefragt, die er schnell aus einem Dropdown-Feld auswählen kann. Soweit hat der Anwender mitgemacht und freut sich schon, dass er die Prozedur gleich hinter sich gebracht hat. Im dritten Schritt verlangt der Betreiber von ihm aber eine ausführliche, ausformulierte Beschreibung. Unglücklicherweise ist dieses Feld auch noch ein Pflichtfeld und lässt sich nicht überspringen oder später ausfüllen. Der Nutzer ist jetzt also gezwungen sich einen Text auszudenken, wozu er aber eigentlich keine Lust oder im Moment keine Zeit hat. Er ist also frustriert und hat eine schlechte Erfahrung (User Experience) gemacht. Hätte der Nutzer gleich am Anfang gesehen, dass von ihm ein längerer Text abverlangt wird, hätte er die Registrierung zu einem späteren Zeitpunkt durchführen können. Er hätte es zumindest vorher gewusst und sich darauf einstellen können. Eine schlechte Nutzererfahrung und Frustration wäre so vermieden worden.

Das heißt nicht, dass Wizards überhaupt nicht eingesetzt werden sollten. Es kommt hier immer auf den genauen Einsatzzweck an und im Zweifelsfall sollte auf mehrseitige Formulare eher verzichtet werden. Bei wirklich umfangreichen und komplexen Eingaben können die Vorteile trotzdem überwiegen. Hier sollte aber zu Beginn des Formulars klar kommuniziert werden, was auf den Anwender zukommt und er sollte immer sofort sehen können, bei welchem Schritt er sich befindet und was noch vor ihm liegt (evtl. sogar mit ungefährer Zeitangabe für die Bewältigung des restlichen Formulars).

Eine gute Mittellösung ist, wie ich finde, die Aufteilung eines Formulars in mehrere, thematisch sinnvolle Abschnitte. Diese werden jedoch nicht auf mehrere Seiten verstreut, sondern auf einer »Seite« angezeigt. Mittels JavaScript kann immer nur ein Teil sichtbar gemacht werden und die anderen Teile sind z.B. eingeklappt (z.B. mit einem Accordion). So kann sich der Benutzer immer weitere Bereiche erschließen und wird nicht gleich mit dem ganzen, vielleicht etwas unübersichtlichen Formular konfrontiert. Er hat so aber auch die Möglichkeit, sind jederzeit das vollständige Formular anzeigen zu lassen, um den Umfang abschätzen zu können. Und zwar ohne vorher die Pflichtfelder des ersten Bereiches ausgefüllt haben zu müssen (wie es ja häufig bei Wizards der Fall ist). Pflichtangaben oder entscheidende Felder (z.B. umfangreiche Angaben) sollten jedoch nicht versteckt, sondern sofort sichtbar sein.

Diskutiert mit: Wie ist eure Meinung zu mehrseitigen Formularen im Webdesign? Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht?

German | 21. January 2009
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